125 Jahre Turn- und Sportgemeinschaft 1885 e.V. Neu-Isenburg
In unserer kurzlebigen Zeit ist ein Verein, der 125 Jahre alt wird, schon etwas Besonderes. Sicher hat das auch etwas damit zu tun, dass die Vorstände der TSG es schafften, den Verein den Erfordernissen der Zeit anzupassen.
1883 traf sich eine Handvoll junger Männer im „Gasthaus zum Engel” und gründete den Fußballclub Helvetia.
Im gleichen Jahr kamen auch die ersten Statuten heraus. Sie sind die älteste, heute noch erhaltene Vereinssatzung von Neu-Isenburg und befinden sich im Stadtarchiv.
Den jungen Leuten wurde nichts geschenkt. Der Fußballplatz auf den Weilbornwiesen hinter der Bansamühle durfte erst benutzt werden, wenn Heu und Grummet gemacht waren und im Herbst und Winter waren die Wiesen zu naß. Dem neuen Verein war keine große Lebensdauer beschieden, denn die Generalversammlung am 17. Januar 1885 war auch die letzte, denn ein Fußballverein ohne Trainings- und Spielmöglichkeit kann nicht überleben.
Aber einige Unentwegte ließen nicht locker. Auf der Treppe des „Gasthauses zum Engel” wurde die Turngemeinde 1885 gegründet.
Der Heimatforscher Adam Knippel hat sogar noch die Namen der Gründer herausgefunden:
Fritz Schäfer, Wilhelm Ochs, Karl Knippel, Felix Beitner, Heinrich Friedrich, Isaak Kabel, Heinrich Streb, Joseph Obst, Lorenz Koch.
Bei der Gründungsversammlung im August 1885 trugen sich 23 Mitglieder ein. Schon im gleichen Monat war der Verein auf 60 Mitglieder angewachsen und ebenfalls im August 1885 wurde Joseph Obst zum Ersten Vorsitzenden gewählt, der dieses Amt bis 1890 versah. 
Der neue Verein etablierte sich ziemlich schnell, denn bereits im September des Gründungsjahres fand eine sogenannte „Abend-Unterhaltung” statt.
Geturnt wurde im Garten des „Gasthauses zum Engel” in der Frankfurter Straße. Später war dort die Apotheke der Familie Gravelius. Turngeräte gab es nicht und so beschränkte man sich auf Stemmen, Ringen, Steinstoßen und Springen. 
Schon bald wurde das erste Domizil für die Aktivitäten des Vereins zu klein. Man zog um in den „Isenburger Hof”, weil der Saal größer war und im Winter darin geturnt werden konnte.
Im Sommer turnte man im Garten des Mitglieds Anthöfer (Ecke Wiesenstraße/Offenbacher Straße).

Aufgrund der Großzügigkeit einiger Mitglieder konnte 1892 ein Grundstück in der Luisenstraße gekauft und bereits im Mai 1892 der Turnplatz eingeweiht werden.
Am 24.06.1900 wurde der Grundstein für ein Vereinshaus mit Turnhalle gelegt. 
1912 wurde das Gebäude verkauft und das erste Neu-Isenburger Kino darin eingerichtet.
Offenbar reichte auch diese Turnhalle bald nicht mehr aus, denn bereits 1910 zog man in den ,,Saalbau” um, der mit Vertrag vom 3. Oktober 1910 für 42 000 Goldmark in das Eigentum der Turngemeinde überging.


Die Turngemeinde hatte damit einen der schönsten Säle von Neu-Isenburg, der nicht nur zum Turnen diente, sondern auch sehr rege als Fest- und Versammlungssaal genutzt wurde.
Im 1. Weltkrieg war dort ein Lazarett untergebracht und im 2. Weltkrieg diente er als Lagerhalle für Uniformen und Ausrüstung.
1911 wurde das Vorderhaus errichtet, das die Vereinsgaststätte sowie Wohnungen für den Hausmeister und den Wirt enthielt.
Eine schwarzer Tag nicht nur für die Turngemeinde, sondern für ganz Neu-Isenburg war der 20. Dezember 1943, als die Bomben amerikanischer Flugzeuge unsere Stadt zerstörten und damit auch das Gebäude der Turngemeinde mit allen Turngeräten.


Aber die Turner ließen sich nicht entmutigen.
Notdürftig wurde der Keller des ehemaligen Vereinslokals hergerichtet und mit Verfügung vom 9. August 1944 erteilte der Landrat die Erlaubnis, den Restaurationsbetrieb vorläufig im Keller aufzunehmen. Einzige Voraussetzung: Die Toilettenanlagen mußten in Ordnung sein. Nach diesem dürftigen Anfang ging man daran, das Erdgeschoß wieder herzurichten.
Der Turnbetrieb fand zu dieser Zeit im Saal der Gastwirtschaft Gräfenecker statt oder bei entsprechender Witterung im Freien ohne Turngeräte.

Obwohl kein Geld da war, begann schon recht bald die Beseitigung der Kriegsfolgeschäden in Eigenhilfe. Der Schutt wurde weggeräumt und bald stand an der alten Stelle in der Beethovenstraße wieder ein Saal mit Bühne zur Verfügung.

Im Laufe der Jahre wurde der Verein immer größer und das so mühsam erbaute Vereinshaus kam in die Jahre und wäre nur noch mit viel Geld zu erhalten gewesen. Deshalb beschloß man, nicht mehr zu renovieren, sondern neu zu bauen.
Was dann folgte, war ein jahrelanger Verhandlungsmarathon zwischen der Stadt Neu-Isenburg und dem Verein, der sich bis 1994 hinzog.

Verfolgt man die Schlagzeilen der örtlichen Zeitungen während
dieser Jahre, erhält man einen Eindruck von dem ständigen Hin und Her zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Aber auch die Stadtverwaltung hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. In zahllosen Sitzungen wurde über das Schicksal des Vereins und über seinen Standort diskutiert.
Endlich, in der Sitzung vom 7. Sept. 1994, kam der Durchbruch und die Stadtverordnetenversammlung beschloß, den Verein an den Buchenbusch umzusiedeln.
Eine große Hilfe für die TSG war der damalige Stadtverordnetenvorsteher Walter Norrenbrock, der die TSG zu seiner ,,Herzensangelegenheit” erklärte.
1994 kaufte eine Unternehmensberatung das Gelände in der Beethovenstraße, auf dem heute Wohnhäuser stehen.

Mit einem großen Silvesterball nahm man Abschied von dem alten Haus und nachdem am 7. Januar 1995 die letzte Karnevalssitzung über die Bühne gegangen war, rückten einige Tage später die ersten Bagger an.
Heute erinnert nur noch eine kleine Tafel daran, dass hier einmal das
Zuhause der TSG war.

Das Architekturbüro Voigt und Herzig hatte bereits mehrere Bauvorschläge ausgearbeitet und in den Jahren 1995 bis 1999 wurde im Buchenbusch ein modernes Sportzentrum gebaut. Mit dem Richtfest im Juni 1996 war schon einmal eine wichtige Etappe geschafft. Aber immer wieder gab es Verzögerungen und Herzklopfen, weil zugesagte Gelder nicht eintrafen.
Die TSG-Mitglieder haben beim Bau ihres Vereinsheims kräftig mit angepackt. Ein großer Teil der Innenausstattung wurde in Eigenarbeit geschaffen.
Anfang Februar 1997 wurde das Restaurant eröffnet und im März des gleichen Jahres konnten 4 Bundeskegelbahnen von den Kegelfans in Betrieb genommen werden.
Ein Prachtstück, auf das man stolz sein kann, denn es wurde an nichts gespart.


Das Richtfest der neuen Halle fand im Rohbau statt. Der Architekt Franz Herzig bewunderte denn auch den Mut des TSG-Vorstands das Vorhaben gegen alle Widerstände durchzuziehen.
Im Juni 1999 war es dann soweit. Mit der Einweihung der Mehrzweckhalle in Anwesenheit der Polit- und Sportprominenz war die Umsetzung der TSG geschafft.
Originalton Stadtverordnetenvorsteher Walter Norrenbrock: „einer der außergewöhnlichen Tage im Leben eines Politikers”.
11 Jahre Mut zum Risiko, Entschlossenheit, Idealismus und vor allem ein ungeheueres persönliches Engagement aller Beteiligten waren vonnöten, um dieses Millionenprojekt zu verwirklichen.

Viele Gönner der TSG haben in uneigennütziger Weise mitgeholfen: Das Ehepaar Schwörke, Käufer der Liegenschaft in der Beethovenstraße, Staatssekretär Harald Noack, der sich in Wiesbaden für den Zuschuß des Landes Hessen einsetzte, der Kreis Offenbach, der Landessportbund und vor allem die Stadt Neu-Isenburg.

Dieses Duo, Karl-Heinz Groh, TSG Vorstandsvorsitzender und Manfred Sabitzer, Schatzmeister, hatten bestimmt einige schlaflose Nächte.
Heute verfügt die TSG über eine vorbildliche, moderne Anlage mit allem, was ein Sportlerherz sich wünscht, bestehend aus Vereinshalle, vier Bundeskegelbahnen, Dusch-, Umkleide- und Verwaltungsräumen sowie einem Rasen- und einem Kunstrasenplatz.

Die letzte Errungenschaft ist eine Kleinfeldanlage, die anläßlich des Tages der TSG 2008 eingeweiht wurde.
Autorin: Christel Passinger








